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11. 04. 2008

Junge Solartechniker: Europaschüler und Ehrengäste zeigen stolz
den 1,80 Meter großen Spiegel mit den silbernen Reflektoren (Foto:
Henry)
Rheinbacher
Unternehmer spenden der Bornheimer Europaschule einen Solarkocher. Anregungen
für den Technikunterricht und Nachdenken über Entwicklungsländer.
180 Grad Celsius allein durch Sonnenkraft.
Kinder naschen
gerne – so war das wissenschaftliche Interesse an der Marmelade,
die mit einem Solarkocher hergestellt worden war, groß bei den Europaschülern.
So süß kann Wissenschaft sein. Tatsächlich interessierten
sich die Gesamtschüler auch brennend für das seltsame Gerät
selbst, das ihnen Renate Schönberg vom Verein Solarkochschule Rheinbach
am Montag präsentierte. Mit 1,40 Metern Durchmesser, einem Parabolspiegel
aus glänzend silbernen Blechen und einem geheimnisvollen schwarzen
Kochtopf mit bis zu 180 Grad Celsius Innentemperatur in der Mitte zog
der Solarkocher alle Blicke auf sich in der Aula der Schule.
„Ich persönlich finde ja die Kochkisten wesentlich praktischer“,
meinte Karin von Wenckheim von der Solarkochschule über das zweite
Exponat. Denn auch dieses funktioniert nach dem einfachen Prinzip, dass
die Strahlen der Sonne aufgefangen und auf einen Kochtopf gelenkt werden,
um ihn zu erhitzen. Bei der Kochkiste trifft das Licht über einen
Spiegel auf eine Glasscheibe, unter der mehrere Töpfe stehen und
sich so wie in einem Backofen erhitzen können. Die Temperaturen steigen
auf maximal 140 Grad Celsius, aber die Bausweise ist Platz sparender als
bei der Variante mit dem Parabolspiegel, also auch alltagstauglicher.
Zum Einsatz kommen diese Geräte in Entwicklungsländern. Vorteil
ist in jedem Fall die Unabhängigkeit von Elektrizität. „Es
muss nur die Sonnen scheinen – dabei kann die Außentemperatur
sogar unter Null liegen“, erklärte die elfjährige Rebekka
Temmler.
Vor der Demonstration der beiden Solarkocher hatten sich die Europaschüler
im Hauswirtschafts- und Scienceunterricht mit den umweltfreundlichen Kochgeräten
befasst. „Die Möglichkeiten zur Einbindung in den Unterricht
gehen aber noch viel weiter“, riet Renate Schönberg: In Physik
können die Schüler das Funktionsprinzip des Solarkochers mit
der Bündelung von Sonnenenergie erforschen, im Technik-Unterricht
lässt sich der Solarkocher nachbauen, bei Schulfesten kann er unter
freiem Himmel zum Einsatz kommen und Würstchen garen. Im Religionsunterricht
schließlich sollten die Jugendlichen darüber nachdenken, welche
Lebenssituation Menschen zum Einsatz eines Solarkochers zwingt und weswegen
Europäer diese Geräte in alle Welt verschicken sollten. Denn
der große Solarkocher kostet beachtliche 450 Euro. Doch allein die
Verbreitung des Wissens um solche Helfer für die Hilfsbedürftigen
ist es der Solarkochschule wert, viele Spenden für den Kauf mehrerer
Geräte einzusetzen. Demnächst seine alle acht Rheinbacher Schulen
mit Solarkochern versorgt, jetzt will sie der Verein weitläufiger
verteilen.
„52 Schulen haben bereits einen Antrag gestellt“, so Renate
Schönberg. Das Ziel sei jetzt, zwei weitere europäisch orientierte
Schulen in anderen EU-Ländern zu beliefern. Denn dann gibt es eventuell
Fördergelder von der EU für das Projekt. Ruth Hieronymi, Abgeordnete
des Europaparlaments, hatte einen Großteil der Solarkocherspende
finanziert und versprach gemeinsam mit der Landtagsabgeordneten Ilka von
Boeselager, sich weiter für die Idee der Solarkochschule einzusetzen.
Die Europaschüler der 5b freuten sich, dass ihre Schule einen Solarkocher
bekommen hatte. Denn das Prinzip der Kochkiste sei ihnen bereits bestens
vertraut, meinte Michelle Morsch (11): „In unserem Klassenraum wird
es bei Sonnenschein auch manchmal über 40 Grad heiß.“
Bonner Generalanzeiger vom 10. April von Bernhard Berger
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