
|Presserklärung, 13.Dezember 2006|
Das EP hat heute mit großer Mehrheit dem Kompromisspaket zu der neuen Chemikalien-Verordnung (REACH) zugestimmt
Der CDU-Europaabgeordnete Kurt Lechner hat dem Kompromiss, der vom Parlament
gemeinsam mit dem Rat gefunden wurde, nur mit großen Bedenken zugestimmt.
Durch den Kompromiss wurden einige Verbesserungen gegenüber dem Gemeinsamen
Standpunkt erzielt, z.B. beim Zulassungsverfahren, beim Schutz des geistigen
Eigentums sowie Erleichterungen bei der Registrierung von Stoffen mit weniger
als 10 Tonnen Jahresproduktion. Diese gingen in erster Linie auf die weit reichenden
Änderungen am Kommissionsvorschlag durch den Beschluss des Europäischen
Parlaments aus der ersten Lesung zurück. Dennoch blieben erhebliche Bedenken
im Hinblick auf die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft
bestehen.
Europa sei zwar der weltweit größte Binnenmarkt mit über 500
Millionen Verbrauchern. Übersehen werde aber vielfach, dass Europa im internationalen
Wettbewerb mit großen Industrieregionen in Asien wie Japan, aber auch
mit den USA, Brasilien und anderen stehe. "Der bürokratische Aufwand
und die damit verbundenen Kosten wirken sich keineswegs nur zu Lasten der Hersteller
chemischer Produkte aus, sondern haben Wirkung auf alle Produkte und die gesamte
Wirtschaft: Importe von Chemikalien unterliegen zwar den verschärften Bestimmungen
von REACH, aber niemand wird verhindern können, dass Fertigprodukte, bei
deren Herstellung Chemikalien zum Einsatz kommen, wie z.B. Möbel, Lederwaren,
Mikrochips oder fertig lackierte Kotflügel, ohne Überprüfung
in die EU eingeführt werden", erklärte der EVP-Binnenmarktpolitiker.
Die Folgen träfen weniger die chemische Großindustrie, sondern vor
allem den Mittelstand, bei dem sich die erhöhten Kosten für die Registrierung
und Evaluation bezogen auf die hergestellte Menge in besondere Weise auswirken
würden. Gleiches gelte für die so genannten "nachgelagerten Anwender",
wie z.B. die Hersteller von Lacken, die Chemikalien in vergleichsweise geringen
Mengen einsetzen. Auch wenn die Auswirkungen von REACH in einigen Jahren überprüft
werden sollen, sei kaum damit zu rechnen, dass Regelungen, die sich als überzogen
erweisen, wieder korrigiert werden, weil schon der Verlauf des gegenwärtige
Gesetzgebungsverfahrens gezeigt habe, wie schwierig und langwierig es ist, eine
Mehrheit zustande zu bringen und künftige Änderungen bereits von einer
Minderheit blockiert werden können. "Dennoch war es richtig, angesichts
der positiven Auswirkungen für Gesundheit und Umwelt und zur Herstellung
einheitlicher Wettbewerbsbedingungen in Europa dem Kompromiss mit den erzielten
Verbesserungen am Ende zuzustimmen und das Gesetzgebungsvorhaben zu einem Abschluss
zu bringen - mehr war leider nicht drin!", so Kurt Lechner abschließend.